Sicher gedacht
06 · ELEKTRISCHER SCHUTZ

Drei Namen.
Drei Schutzaufgaben.

Sicherungen, Leitungsschutzschalter und Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen reagieren auf unterschiedliche Gefahren. Kein einzelnes Gerät ersetzt die anderen.

F

Schmelzsicherung

Ein definierter Leiter schmilzt bei zu hohem Strom und unterbricht dauerhaft. Nach dem Auslösen muss der passende Einsatz ersetzt werden.

ÜBERSTROM · EINMALIG
LS

Leitungsschutzschalter

Reagiert thermisch auf Überlast und magnetisch auf hohe Kurzschlussströme. Er schützt vor allem Leitung und Anlage.

ÜBERLAST · KURZSCHLUSS
ΔI

FI / RCD

Vergleicht hin- und zurückfließende Ströme. Eine Differenz deutet auf einen unerwünschten Fehlerstrom hin und führt zur Abschaltung.

FEHLERSTROM · ZUSATZSCHUTZ

Warum der LS nicht alles erkennt

Ein gefährlicher Fehlerstrom kann deutlich kleiner sein als der Strom, bei dem ein Leitungsschutzschalter auslösen würde. Der FI/RCD betrachtet deshalb nicht einfach die Stromhöhe, sondern die Differenz zwischen Hin- und Rückweg.

Warum der FI nicht vor Überlast schützt

Fließen beispielsweise auf Hin- und Rückleiter gleich große, aber unzulässig hohe Ströme, sieht der RCD keine Differenz. Für Überstrom bleiben Sicherungen oder Leitungsschutzschalter zuständig.

Abschaltung ist kein Freibrief

Schutzorgane reduzieren Risiken, machen Arbeiten an aktiven Teilen aber nicht sicher. Auswahl, Koordination, Prüfung und Dokumentation benötigen Fachwissen und geeignete Messtechnik.

FÜNF SICHERHEITSREGELN

Vor der Arbeit zählt
die richtige Reihenfolge.

Schutzorgane reagieren auf Fehler. Die fünf Sicherheitsregeln schaffen dagegen einen definierten sicheren Arbeitszustand und dürfen nicht mit Sicherung, LS oder RCD verwechselt werden.

Die Regeln stammen aus dem sicheren Betrieb elektrischer Anlagen. Sie sind kein Heimwerker-Leitfaden: Welche Regeln im konkreten Fall wie anzuwenden sind, beurteilen Elektrofachkräfte beziehungsweise dafür qualifizierte elektrotechnisch unterwiesene Personen.

Freischalten

Die Arbeitsstelle wird allpolig von allen relevanten Spannungsquellen getrennt. Ausschalten allein ist nicht automatisch gleichbedeutend mit sicherer Trennung.

Gegen Wiedereinschalten sichern

Ein unbeabsichtigtes oder irrtümliches Einschalten wird verhindert, beispielsweise durch geeignete Sperr- und Kennzeichnungsmaßnahmen.

Spannungsfreiheit feststellen

Eine geeignete Fachkraft prüft an der Arbeitsstelle, ob tatsächlich keine gefährliche Spannung mehr anliegt. Eine Schalterstellung genügt als Nachweis nicht.

Erden und kurzschließen

Wo diese Regel erforderlich ist, wird zuerst geerdet und anschließend kurzgeschlossen. Das schützt unter anderem gegen Rückspeisung und unbeabsichtigte Wiedereinschaltung.

Benachbarte Teile abdecken oder abschranken

Verbleibende Teile unter Spannung werden gegen Berührung und gefährliche Annäherung gesichert, wenn sie nicht ebenfalls freigeschaltet werden können.

Merksatz: Die Reihenfolge ist Teil der Schutzwirkung. Vor dem Wiedereinschalten werden die Maßnahmen fachgerecht in umgekehrter beziehungsweise betrieblich festgelegter Reihenfolge aufgehoben.
Fachbetrieb erforderlich: Arbeiten an elektrischen Anlagen hinter der Hausanschlusssicherung dürfen nach § 13 NAV grundsätzlich nur der Netzbetreiber oder ein eingetragenes Installationsunternehmen ausführen. Die Simulation ersetzt keine Prüfung nach den einschlägigen Regeln.